Von kurzen Haaren, viel Tränen und zweifelhaften Aussagen

Wie Heidi Klum ihr Topmodel sucht und dabei junge Mädchen verzweifeln lässt

Nachdem Deutschland in den letzten Jahre nun schon einige Superstars, Supertalente, Popstars, Teenstars oder sogar Komiker gesucht und gefunden hat, stellt sich auch Heidi Klum dieses Jahr wieder der Herausforderung das mittlerweile dritte Topmodel Deutschlands zu suchen.

Neu ist die Idee nicht. Schon das aus den USA übernommene Sendeformat „Starsearch“ auf Sat1 versuchte sich darin, sowohl weibliche als auch männliche Topmodels zu küren. Dies geschah aber mit eher mäßigem Erfolg, keiner der Kanditaten erlangte Weltruhm oder ähnliches. Erst die TV-Show „America’s next Topmodel“ mit der bekannten Laufstegschönheit Tyra Banks sorgte für gute Quoten. Hier fand man dann talentierte junge Frauen, die sich verschiedenen Aufgaben stellen mussten und unter Beweis stellen sollten- sie sind geboren um das neue Topmodel zu werden. Eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis diese Sendung auch zu uns kommen musste. Und wer sollte es auch moderieren, als das deutsche Vorzeigemodel Heidi Klum. Eine kleine Namensänderung und schon konnte „Germany’s next Topmodel by Heidi Klum“ am 25. Januar 2006 auf Sendung gehen.

Doch im Vergleich zu anderen Castingformaten in Deutschland fällt die Suche des nächsten Models gerne durch Negativschlagzeilen und Jurymitglieder auf, nicht durch die Qualität der angehenden Mannequins. Was bei Dieter Bohlen und Konsorten kritisiert wurde, ist bei Heidi Klum an der Tagesordnung. Junge Mädchen werden ausschließlich auf ihr Äußeres reduziert. Wer zu klein oder zu dick ist, unreine Haut oder eine schiefe Nase hat, bekommt hier keine Chance. Persönlichkeit, Ausbildung oder Können spielen in der Vorrunde des Castings keine Rolle, es geht allein um die Schönheit. Natürlich sucht Frau Klum das neue Supermodel, kein Supermoppel oder ähnliches. Aber 16- Jährigen Mädchen zu sagen, dass sie zu dick sind, ist weder pädagogisch wertvoll noch angemessen. Oder sind fünf Kilo zu viel schon Übergewicht? Sicherlich nicht, wenn man gerade erst aus der Pubertät kommt. Die Glücklichen, die die ersten Runden überstanden haben dürfen dann die Jury kennen lernen, in die Modelvilla einziehen und müssen sich diversen Aufgaben stellen. So bekommt zum Beispiel immer eine bestimmte Anzahl an Mädchen einen angeblich topmodischen und aktuellen Kurzhaarschnitt; gerne jene, die die längste Haarpracht der Gruppe vorweisen konnten. Tränen und Gefühlsausbrüche diesbezüglich werden von Heidi Klum regelmäßig ignoriert. Denn das müsste ja jedes Topmodel über sich ergehen lassen, so sei das Showbusiness. Nur hat schon einmal jemand Heidi Klum mit Haaren kürzer als 20 cm gesehen? Und offensichtlich ist sie doch trotzdem ein Topmodel geworden.

 Die bisherigen Gewinnerinnen Lena Gercke und Barbara Meier haben den Friseurbesuch, Bodypainting- Shootings an bitterkalten Stränden, Shoots mit giftigen Tieren, die Sticheleien der Jury und die niemals enden wollenden Urteilsverkündungen von Heidi gemeistert und dürfen sich jetzt Deutschlands Topmodels nennen. Etwas Erfolg können sie vorweisen, keine Frage. Nach ihrem Gewinn bekamen beide einen Modelvertrag und waren auf dem Cover der „Cosmopolitan“. Aber hat heute wirklich noch jemand ein Gesicht vor Augen, wenn er die Namen hört?

Heidi Klums Castingshow unterscheidet sich somit wenig bis gar nicht von all den anderen Shows in Deutschland. Junge Menschen werden einem Publikum vorgeführt und bis an ihre Grenzen gebracht. Dabei werden sie jedoch ausschließlich auf ihr Aussehen reduziert und haben danach nicht mehr Erfolg als die vielen anderen Superstars, Talente oder Gruppen.

 

 

Eine Predigt...

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Fastengemeinde,

wir haben uns hier alle eingefunden, um eines der wichtigsten Themen unserer Gemeinschaft zu besprechen: Das Schlankheitsideal unserer Gesellschaft.
Wie ein großes Ungeheuer steckt es hinter jeder Werbung, jedem Titelfoto einer Zeitschrift und jeder Castingshow. Es personifiziert das Böse und Schlechte unserer Gemeinde dem wir alle verfallen sind. Doch gehen wir nun zuerst ein Stück zurück in der Geschichte und schauen, wie es soweit kommen konnte.
Das Lexikon sagt hierzu: >>Ein Ideal ist die Vollkommenheit und  das als höchsten Wert erachtete Ziel, eines angestrebten Zustandes.<< Schon zu Zeiten van Goghs oder Rubens gab es ein Idealbild des Menschen. Mal jung, zierlich und schlanke Silhouetten. Mal breite üppige Hüften und große weiche Brüste.
Auffällig auch damals: vor allem Frauen mussten immer wieder einem bestimmten Ideal folgen und es verkörpern. Der Geschmack änderte sich hierbei über die Jahrhunderte kontinuierlich. Es gab nicht ein ideales vollkommenes Bild, das sich über Jahre hinweg halten konnte. Dies ist nun scheinbar anders geworden.
Liebe Fastengemeinde, schauen Sie sich um! Überall ausschließlich dünne, zierliche Frauen auf riesigen Plakaten in der Innenstadt. Dürre Menschen auf den Laufstegen von Mailand und Paris. Durchtrainierte junge Herren in Werbespots von bekannten Parfumherstellern.
Das Ungeheuer hat uns offenbar fest im Griff. Kann es das sein, was wir wollen?
Schon in den Sechzigern überkam uns eine erste Schlankheitswelle mit dem britischen Model Twiggy. Die Welt war geschockt, wie dünn dieses junge Mädchen war. Doch ist das heutige Schlankheitsideal nicht noch drastischer?
Karl Lagerfeld entdeckte in den 80er Jahren schlanke Models wie Claudia Schiffer oder Cindy Crawford. Schon er erkannte: >>Wer heute als ein bisschen schön gilt, wird morgen kaum noch zum Putzen bestellt.<< Nur Frauen und Männer mit absolut perfekten Maßen kamen auf seinen Laufsteg. Ist es das, was wir als Gemeinde vertreten wollen? Dass nur das Perfekte Aufmerksamkeit verdient hat?
Seit Jahren hat sich unsere Gesellschaft einem vermeidlichen Idealbild verschrieben und füttert dieses Ungetüm mit jeder neuen Reklame und jedem neuen Diätprodukt mehr und mehr. Doch sollten wir, liebe Gemeinde, dagegen ankämpfen! Jeder Mensch ist etwas Besonderes und einmalig. Wir müssen jeden Menschen respektieren und jeden in der großen Menge aus schönen, kleinen, großen, dicken und dünnen Individuen fördern und unterstützen!

So gehet hin und esst und trinkt so viel ihr wollt. Liebet euch wie ihr seid. Und lasst doch zur Abwechslung mal das große Ungeheuer des Schlankheitswahns hungern. Mal sehen wie lange es durchhält.

Guten Appetit!

 

Glaubensfreier Rasen

Dänemarks Fußball ist derzeit ein Topthema in allen Medien. Europaweit wird diskutiert, ob es eine richtige Entscheidung war, die junge Zenab El-Khatib in die dänische Jugendnationalmannschaft zu wählen. Grund für die Debatten und Auseinandersetzungen sind aber nicht ihr Können oder ihre Qualifikationen. Nein, gestritten wird wegen einem kleinen Stück Stoff. Denn Zenab ist muslimischer Abstammung und trägt seit knapp einem Jahr ein Kopftuch- auch auf dem Rasen.

Der einheitliche Auftritt der gesamten Mannschaft auf dem Spielfeld ist Pflicht. Nicht umsonst gibt es die gleichen Trikots für alle. Selbst Sporttaschen und Regenjacken die der Spieler auf dem Weg von Bus zum Stadion trägt, stammen alle von den gleichen Fabrikaten und vermitteln somit Einheit und Zusammenhalt.

Diese symbolisierte Einheit endet dann aber auch schon wieder bei der Wahl des Schuhwerks. Ein Michael Ballack spielt am liebsten mit weißen Schuhen, Miroslav Klose trägt schwarze Exemplare und Torsten Frings sticht mit seinem roten Paar auf jedem Bild der Nationalelf sofort ins Auge.

Wieso sollte man dann also Anstoß nehmen an einem Stückchen Stoff auf dem Kopf einer 15-jährigen Fußballspielerin? Vielleicht, weil dies kein Modetrend ist, sondern ein klar religiöses Zeichen. Mit dieser Kopfbedeckung trägt sie ihre Religion nach außen. Jeder kann sehen, welchen Glauben sie vertritt.

Und deshalb sagen manche, dass es verboten sein müsste. Denn andere religiöse Symbole wie Kreuzanhänger und ähnliches müssen vor dem Spiel abgelegt werden- warum dann nicht das Kopftuch? Andere sind gegen die unterschwelligen Assoziationen, die das Tragen eines Kopftuches unwillkürlich hervorrufen. Die Unterdrückung von Frauen, das Verhindern einer Emanzipation in allen muslimischen Ländern. All dies könne man nicht unterstützen, das Kopftuch muss weg.

Doch bedeutet das Kopftuch für die Trägerin meist einiges mehr. Es soll ihren Glauben symbolisieren. Für junge Frauen in der heutigen Gesellschaft ist es nicht mehr unmöglich, alte Tradition und das neue westliche Leben miteinander zu verbinden. Sie sind gebildet, freiheitsliebend und tragen ihr Kopftuch aus Stolz und mit Würde- nicht aus Zwang. Auch Zenab El-Khatib hat angedroht, die Jugendnationalmannschaft wieder zu verlassen, würde man ein Verbot verhängen.

Skeptische Stimmen bezüglich der Sicherheit auf dem Spielfeld konnten beruhigt ebenso werden. Die Tücher der Spielerin sind Spezialanfertigungen. Sie verdecken das Haar und entsprechen so den Vorschriften ihres Glaubens, bedecken dabei aber weder den Hals noch können sie verrutschen und das Spiel somit gefährden oder verlangsamen.

Katholiken oder Protestanten ist es zwar nicht erlaubt religiöse Symbole auf dem Spielfeld zu tragen, jedoch beschwert sich in Europa auch niemand, wenn sie nach einem Tor betend zum Himmel schauen oder sich bekreuzigen. Ist dies nicht gleichzusetzen mit dem Tragen eines Kopftuches? Wenn doch, dann muss alles radikal verboten werden. Kein Beten, kein Bekreuzigen, kein Tragen von Kreuzen oder Psalmsprüchen- auch nicht als Tattoo. Dann muss der Rasen auf dem Fußballplatz zur absolut glaubensfreien Zone ernannt werden. Keine Ausnahmen, keine Sonderreglungen und dann selbstverständlich auch ohne Kopftuch.

 

 

Klares Nein zum Flatrate-Saufen

Jugendliche, die sich jedes Wochenende bis zur Besinnungslosigkeit betrinken, Eltern die dem hilflos gegenüber stehen und Politiker, die deshalb ein generelles Alkoholverbot für unter 18 Jährige fordern. Der Grund für all dies: sogenannte Flatrate-Partys.

Einmal einen bestimmten Festpreis bezahlen, soviel trinken wie man mag, jede Menge Spaß inklusive, das ist das Konzept. Doch immer häufiger bewirken diese vermeintlich tollen Partys genau das Gegenteil: Ende März 2007 ist ein 16-Jähriger Gymnasiast in Berlin gestorben, nachdem er 45 Tequila getrunken hat.

Deshalb soll nun also ein generelles Ausgabeverbot von Alkohol an unter 18 Jährige in Kraft treten.

Politiker fordern kein Alkohol für Jugendliche, Ausschankverbot gegen Koma-Saufen.

Dies ist ein guter Schritt in die richtige Richtung, aber das eigentliche Problem Alkoholmissbrauch unter Jugendlichen kann so langfristig nicht behoben werden.

Es müssen vielmehr die schon vorhandenen Jugendschutzgesetze härter durchgesetzt werden. Keine Ausnahmen mehr, sondern stärkere Kontrollen in Kneipen. Keine Ausreden mehr, sondern harte Strafen für Gastronomiebetreiber und Einzelhändler. Und zu guter letzt: keine Diskussionen mehr, sondern aktives Handeln. Die Gesellschaft muss den richtigen Gebrauch mit Alkohol vermitteln, verantwortungsvoller Umgang muss zur Selbstverständlichkeit werden.

Nur so kann dem Flatrate-Saufen unter Jugendlichen ein Ende bereitet werden.

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