Eine Predigt...

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Fastengemeinde,

wir haben uns hier alle eingefunden, um eines der wichtigsten Themen unserer Gemeinschaft zu besprechen: Das Schlankheitsideal unserer Gesellschaft.
Wie ein großes Ungeheuer steckt es hinter jeder Werbung, jedem Titelfoto einer Zeitschrift und jeder Castingshow. Es personifiziert das Böse und Schlechte unserer Gemeinde dem wir alle verfallen sind. Doch gehen wir nun zuerst ein Stück zurück in der Geschichte und schauen, wie es soweit kommen konnte.
Das Lexikon sagt hierzu: >>Ein Ideal ist die Vollkommenheit und  das als höchsten Wert erachtete Ziel, eines angestrebten Zustandes.<< Schon zu Zeiten van Goghs oder Rubens gab es ein Idealbild des Menschen. Mal jung, zierlich und schlanke Silhouetten. Mal breite üppige Hüften und große weiche Brüste.
Auffällig auch damals: vor allem Frauen mussten immer wieder einem bestimmten Ideal folgen und es verkörpern. Der Geschmack änderte sich hierbei über die Jahrhunderte kontinuierlich. Es gab nicht ein ideales vollkommenes Bild, das sich über Jahre hinweg halten konnte. Dies ist nun scheinbar anders geworden.
Liebe Fastengemeinde, schauen Sie sich um! Überall ausschließlich dünne, zierliche Frauen auf riesigen Plakaten in der Innenstadt. Dürre Menschen auf den Laufstegen von Mailand und Paris. Durchtrainierte junge Herren in Werbespots von bekannten Parfumherstellern.
Das Ungeheuer hat uns offenbar fest im Griff. Kann es das sein, was wir wollen?
Schon in den Sechzigern überkam uns eine erste Schlankheitswelle mit dem britischen Model Twiggy. Die Welt war geschockt, wie dünn dieses junge Mädchen war. Doch ist das heutige Schlankheitsideal nicht noch drastischer?
Karl Lagerfeld entdeckte in den 80er Jahren schlanke Models wie Claudia Schiffer oder Cindy Crawford. Schon er erkannte: >>Wer heute als ein bisschen schön gilt, wird morgen kaum noch zum Putzen bestellt.<< Nur Frauen und Männer mit absolut perfekten Maßen kamen auf seinen Laufsteg. Ist es das, was wir als Gemeinde vertreten wollen? Dass nur das Perfekte Aufmerksamkeit verdient hat?
Seit Jahren hat sich unsere Gesellschaft einem vermeidlichen Idealbild verschrieben und füttert dieses Ungetüm mit jeder neuen Reklame und jedem neuen Diätprodukt mehr und mehr. Doch sollten wir, liebe Gemeinde, dagegen ankämpfen! Jeder Mensch ist etwas Besonderes und einmalig. Wir müssen jeden Menschen respektieren und jeden in der großen Menge aus schönen, kleinen, großen, dicken und dünnen Individuen fördern und unterstützen!

So gehet hin und esst und trinkt so viel ihr wollt. Liebet euch wie ihr seid. Und lasst doch zur Abwechslung mal das große Ungeheuer des Schlankheitswahns hungern. Mal sehen wie lange es durchhält.

Guten Appetit!

25.4.08 19:27

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bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Silvester (25.4.08 23:27)
Sodele da meld ich mich wieder mit einem Sound, der mir das Gehör zerfetzt und ich doch überaus glücklich Valerie mitsumme:
Ich denk schon, dass du das Problem richtig analysiert hast und die Wurzel getroffen hast..... leider jib et da ein Problem.... Schalke spielt gegen Hamburg und Menschen ändern sich nicht.
Es gab immer wieder Diktaturen, obwohl jeder weiß, dass nichts gutes rausspringt. Vielleicht liegt das alles in der Wurzel unseres Menschseins begründet, wir wollen immer alles besser haben als es ist und dafür brauchen wir Menschen, die "besser" sind und uns ein Surrogat der Realität liefern, das uns von unseren alltäglichen Problemen abbringt wie das Abi und die Wohnungssuche.
Vielleicht sind wir einfach auch nur zu faul uns damit abzufinden, dass wir auch schön sind, wenn wir ein paar Pfund mehr drauf haben oder oder oder.
Gendankenarbeit ist uns, der Trauergemeinde, einfach zu schwer, da wir schon so viel Trauerarbeit bezüglich unseres Aussehens leisten.
Danke, dass du das Thema für beide Geschlechter offengehalten hast, denn ich "leide" drunter ein Flohgewicht mit grad 70 Kilo zu sein, obwohl ich zuforeden mit meinem Aussehen bin, aber die verdammte Gesellschaft übt immer einen solchen Druck aus :D... es ist leider so... und das mein ich dann ernst, obwohl das im Gegensatz zum Smiley steht.^^
Die Aufmachung, naja auf gut deutsch gesagt, die Einleitung un der Ansatz waren verdammt kreativ.
Vielen Dank für den Text!

Silvester

P.S. Ja ich lass dir immer viel zum Lesen hier :D und das sogar gern!


Silvester (26.4.08 00:03)
So da hab ich noch einen Nachtrag, doch diesmal zu den Klängen von Phoenix, aber ich will ja keine Schleichwerbung machen!
Ich denke dies alles liegt auch begründet darin, dass sich die Gesellschaft immer oberflächlicher entwickelt, denn nachdem die 68er aggressiv und auch nicht immer sehr tiefgreifend gearbeitet hatten, hatte man denn nun genug davon und kam zu der Schlussfolgerung, dass der Tiefgründigkeit Kants und der Forderungen Rousseau's nun genung sei und m an entschied sich dem zu entgegnen, egal ob nur in den Medien oder in der Gesellschaft schlechthin.
Persönlichkeit zählt nicht mehr, davon haben wir jetzt genug, wir wollen alles schneller, besser, oberflächlicher.
Dies drückt sich in all den Shows aus, die wir sehen; egal, ob es um die Suche des neuen Topmodels geht, um das Umstyling eines Freaks, wir wollen alle gleich sein, nach französischen Grundsätzen, das wöre nun aber zu tiefgreifend, wir wollen alle gleich sein! Einfach nur gleich... grau!
Der Charakter ist doch egal! Wir wollen Stars sein! Oder zumindest wissen wie es sich anfühlt.
Naja mir kann das alles egal sein, ich will nur nicht grau sein! Ich will nicht der deutsche Normalbürger sein, aber dem Normalbürgertum will ich nicht mit Extravaganz entgegentreten oder Arroganz, ich möchte nur so sein dürfen wie ich bin! BUNT!


marlene 20 / Website (26.4.08 19:46)
...das ist ja mal eine Predigt!
Hatte auch denn Einfall von den verschiedenen Schönheitsidealen...
konnte es aber nicht so gekonnt umsetzen wie Du!
na, da sind wir mal auf nächste Woche gespannt ;-)

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