Warten auf den Mai

Es gibt einfach so Tage. Tage, da läuft alles, aber auch alles schief. Nicht nur eine kleine Sache, über die man dann hinweg sehen kann, sie als Unachtsamkeit oder Missgeschick abhaken kann.

 

Nein. An diesen Tagen passieren Dinge, das geht auf keine Kuhhaut. Dinge, die unmöglich einem Menschen an einem Tag passieren sollten. Wenn dann aus dem Tag Tage werden und aus den Tagen Wochen und aus den Wochen ein Monat, dann finde ich, kann man durchaus von einer Pechsträhne sprechen. Einem Hass, den die Welt dir anscheinend unbedingt entgegen bringen muss. Eine Verschwörung gegen dich.

Solche Tage können unterschiedlich beginnen.

Man steht morgens auf und stößt sich erstmal den Fuß an. Im Bad ist dann der ganze Boden unter Wasser gesetzt und deine Hose saugt dies freudig auf. Du verpasst die Bahn oder in der Mensa gibt es heute nur das eklige Gericht mit Reis. Vielleicht entdeckst du schon morgens um 10 Uhr einen riesen gelben Fleck auf deiner weißen Bluse, die du dann noch den ganzen Tag auf Konferenzen tragen darfst. Der Akku deines Handys geht aus, obwohl du einen wichtigen Anruf erwartest und abends gerätst du in einen Regenschauer.

Aber dann kannst du dich spätestens nach dem zweiten Unglücksfall damit abfinden, dass es eben ein schlechter Tag ist. Du verfällst entweder der schlechten Laune und wartest sehnsüchtig, dass es Abend wird und du dich hinlegen kannst, mit der Hoffnung dass morgen alles besser wird. Oder du kämpfst lächelnd dagegen an und denkst, so einen Tag hat doch jeder Mal.

Schlimmer ist es jedoch, wenn so gar nichts passiert. Du stehst morgens auf und kannst der Bettkante noch gerade so ausweichen. Das Bad haben deine Mitbewohner im einwandfreien Zustand hinterlassen und auch die Bahn ist pünktlich abgefahren. Doch während du dein Lieblingsessen in der Mensa in deiner strahlend weißen Bluse zu dir nimmst, hast du so ein Gefühl. Ein Gefühl, dass irgendwas nicht stimmt. Du überlegst aber nichts fällt dir ein. Dein Akku ist aufgeladen, der Regenschirm in der Tasche. Aber trotzdem stimmt irgendwas nicht und man verbringt den ganzen Tag grübelnd.

Vielleicht war dies alles umsonst und der Tag wird ganz normal zu Ende gehen, keine außergewöhnlichen Vorkommnisse, nichts Außerplanmäßiges.

Aber meistens ist es doch am Ende eines solchen Tages –egal wie er nun begonnen hat- so, dass du nach Hause kommst und die Kündigung im Briefkasten liegen hast. Die Nachricht auf dem Anrufbeantworter, dass deine Mutter im Krankenhaus liegt, ein guter Freund gestorben ist oder dein zukünftiges Patenkind vielleicht niemals das Licht der Welt erblicken wird.

Wird aus diesem einen schlechten Tag also eine Woche und aus dieser Woche ein Monat, finde ich es gerechtfertigt zu resignieren.

Sich einfach hinlegen und warten, bis der Monat rum ist, bis gute Nachrichten kommen. Schlafen bis das gute Gefühl wieder da ist, mit dem man sonst den Tag begonnen hat. Warten auf die Sonne, das Licht und die Wärme.

 

Also Mai- ich werde warten und hoffen.

 

 

 

 

17.4.08 14:05

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bisher 5 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Angi (17.4.08 18:13)
Hey Jaqueline!
War mal wieder hier und hab gelesen Muss sagen, dass mit der Text hier echt gut gefällt. Kann ich total nachempfinden was du da beschreibst. Immer weiter so!
Hoffe mal in Bielefeld scheint auch die sonne.
Ciao Angi


Tani (18.4.08 12:43)
Kann mich nur anschließen!
Der Text ist wirklich toll geschrieben und regt mal zum nachdenken an!
*Daumen hoch*


miss.lilly / Website (18.4.08 12:46)
danke
nur noch 12 Tage dann ist der Mai da !!!


Jasi (19.4.08 14:43)
Schöner Text und diese letzte Woche betreffend sogar auf mich passend....
hab dich lieb, mach weiter so und ich hoffe, das für dich der Mai wirklich besser wird!


Silvester (21.4.08 18:13)
Schlimm ist es, wenn aus dem Monat zwei Monate werden, aus den zweien drei und aus den dreien ein halbes Jahr, aber ich kann dich aufmuntern, dass es auf jeden Fall nicht so bleibt! Irgendwann wird es besser, ja wahrscheinlich morgen, man resigniert nur wenn man keine Hoffnung hat!
Hör einfach mal gute Musik, die dich an bessere Zeiten erinnert, deine Hoffnung weckt und dich wieder aufleben lässt;
ein Tip von einem ewig Scheiternden, und wenn es ganz schlimm ist ruf an, die gute Laune verschaffende Maschine ist zwar noch nicht ganz repariert, aber ich geb gern etwas von meiner Lebensfreude ab.^^
Abi hin oder her, sag Bescheid und glaub nicht, du würdest vergessen.,^^

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