Wäsche waschen im Wohnheim- ein Erlebnis ohne gleichen

Horror packt mich, wenn ich den Stapel in der hintersten Ecke meines Zimmers sehe. Ich ignoriere ihn solange wie möglich. Verdränge das flaue Gefühl im Magen wenn meine Blicke ihn kreuzen und wenn Besuch kommt schiebe ich Taschen und allerlei Krimskrams davor- von wegen Angriff ist die beste Alternative.
Das geht dann vielleicht zwei bis drei Wochen gut, denn ich bin ja eine Frau. Ich habe Unmengen an Klamotten, so schnell gehen die mir nicht aus, also keine Panik. Aber irgendwann kommt auch bei mir der Punkt, an dem mir zumindestens die Unterwäsche und Socken ausgehen, oder ich mein Lieblingsshirt so dringend schlimm vermisse, dass ich es nicht länger hinausschieben kann: Die Wäsche muss gewaschen werden!


Jetzt ist dies aber alles andere als leicht und der gute Vorsatz alleine reicht so was von überhaupt nicht aus, wenn man in einem Wohnkomplex lebt, der gefühlte 1500 andere Menschen beherbergt, die komischerweise immer dann waschen wollen, wenn ich schwer schwitzend mit meinem riesen Körbchen vor dem Waschraum stehe.
Aber bis es erstmal soweit ist, stehe ich ja noch vor Problemen ganz anderer Art. Alles fängt mit dem Wäscheständer an. Ich besitze momentan keinen eigenen. Warum nicht? Nun ja, ich müsste mir einen kaufen, so schwer ist das ja nicht. Aber dann müsste ich mit dem Teil Stadtbahn fahren, es vorher vom Supermarkt bis zur Station schleppen, es dann zum Wohnheim tragen, die Treppen hoch. Am Ende müsste ich dem Monstrum auch noch ein Ticket ziehen und ihm einen Namen geben, damit ich mir nicht so dumm vorkomme mit ihm durch die halbe Stadt gurken zu müssen. Aber dies ist wahrscheinlich eine Geschichte für sich, also zurück zu der Dringlichkeit des Wäscheständers teilen. Denn auch die Wäscheleinen im Trockenraum hängen dort nur um mich schadenfroh auszulachen. Die Benutzung erfolgt auf eigene Gefahr und ich verspüre komischerweise keine Lust demnächst durch alle Wohnungen tigern zu müssen, um meine Sachen wieder einzufangen. Aber zum Glück habe ich ja nette Mitbewohner und dann teilt man sich so einen Wäscheständer einfach. Also theoretisch gesehen einfach. Nur wie der Teufel es will, wollen die immer zeitgleich mit mir Wäsche waschen und aufhängen, sind im Urlaub und haben den Wäscheständer im Zimmer eingeschlossen, oder lassen ihre Wäsche seit Monaten am Ständer verstauben und ich traue mich nicht darauf hinzuweisen, dass meine Unterwäsche sich dem Ende neigt.
Wenn der Wäscheständer dann also endlich in meinem Besitz ist geht es weiter mit der Odyssee. Denn falls mir, natürlich nur durch Zufall, die Waschmarken ausgegangen sind muss ich erst noch zum Hausmeister. Und der ist nur zweimal in der Woche da, mit Vorliebe an den Tagen, an denen ich den ganzen Tag Vorlesungen habe. Gesegnet durch nette Mitbewohner, die Waschmarken übrig hatten oder durch außerplanmäßigem Ausfall von Vorlesungen fängt jetzt der sportliche Teil an: Erstmal runter rennen, checken ob ganz vielleicht und eventuell eine Waschmaschine frei ist. Das ist nicht so leicht, bei drei Maschinen und dem Ansturm aller Bewohner, anscheinend erwische ich aber auch immer den Wohnheim-ausgerufenen-gesamt-Waschtag oder so. Da bleibt mir dann nichts anderes übrig, als wieder hoch zu laufen und zu warten, ab und zu mal ein kontrollierender Gang runter, hoffende Blicke und direkt wieder hoch. Irgendwann ist dann auch mal eine Maschine für mich frei. Also wieder hoch, die Wäsche ab in den riesigen Korb, Waschmittel einstecken und mehrere Waschmarken mitnehmen. Das ist mir nämlich auch schon passiert- Maschine ergattert und dann verschluckt das Vieh meine Waschmarke ohne die geforderte Dienstleistung zu erbringen und das bedeutet einmal mehr hoch- und runter rennen. Also ohne mich, ich bin vorbereitet!! Wenn die Wäsche dann endlich mal in der Trommel ist, sinkt mein Puls langsam wieder auf einen normalen Stand, ein vorletztes Mal hoch laufen und nun heißt es abwarten. Hängt die Wäsche einige Zeit später dann endlich in meinem Zimmer und die Luftfeuchtigkeit eines Feuchtbiotops stellt sich nach und nach ein, sitze ich zufrieden in meinem Sessel und schaue mir stolz das vollbrachte Werk an.
Aber nur bis zum nächsten Mal- leise höre ich meine Knie schon ächzen und die Waschmaschine hämisch lachen…

 

 

 

17.2.08 16:47

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bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Angi (17.2.08 19:09)
Jaqueline... der Text ist total witzig geschrieben. Musste echt oft schmunzeln. UNd auch wenn ich nicht in einem Wohnheim lebe habe ich mich doch mit der ein oder anderen vergleichbaren Situtaion in deinem Text wiedergefunden. Wirklich prima!
Noch eine schlönen Abend.
Angi


Silvester (23.2.08 18:47)
Auch, wenn ich zugeben muss, dass meine Wäsche immer noch von Mutti gewaschen wird und ich deswegen bei dem Thema nichts zu sagen haben dürfte, so will ich doch meinen Senf dazu geben:

ich find, dass die Übergänge der einzelnen "Sinnabschnitte" deines Textes ein bisschen holprig sind und du in deinen Audführungen ein bisschen zu weit ausholst bzw, abschweifst, wodurch für mich dein Text etwas übertrieben oder gekünstelt wirkt.
Insgesamt ist der Versuch doch aber ok, nur nicht ganz gelungen, jedenfalls für meinen Anspruch, der natürlich ein bisl sehr hoch ist.., ja tut mir Leid.^^

So ich hoffe ich konnte das in Worte fassen, was ich sagen wollte.
Ein Gruß aus der "alten Heimat" ^^ schließt sich an.
Yours sincerely
Silvester


Diana (2.3.08 22:47)
Naa, dann schreib halt nen Notizzettel, der gelesen wird, wenn der Besitzer des Wäscheständers im eingeschlossenen Zimmer wiederkommt
ich konnte den Text gut nachvollziehen :D
Liebe Grüße

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